Irgendwie

Irgendwie möchte man gerne wieder schreiben, was schönes, was lustiges, was trauriges, irgendwas eben. Und dann denke ich, dass doch alles schon gesagt, alles gedacht, alles geschrieben und alles gemalt wurde. Wohin man blickt, gibt es Kommentare en masse. Und deshalb haben wir nur ein neues Design. Nicht jedem Zwang oder Trend muss man folgen, denn wie lehrte uns schon Sean Brummel? „Einen Scheiß muss ich!“

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Komisch. Das Leben könnte so schön und einfach und unkompliziert sein. Würden wir einfach nur mal offen miteinander reden. Statt zu sagen „ich liebe Dich“ oder „ich liebe Dich nicht (mehr)“ scharwenzelt man Tage-, Monate- wenn nicht sogar Jahrelang umeinander herum. Trägt Gefühle und Gedanken wie einen immer schwerer werdenden Bezeihungsrucksack mit sich herum. Da trennen sich also Paare nach ewigen Zeiten, manchmal erst viel zu spät. Da gehen Ehen kaputt, weil niemand mehr miteinander redet. Da zerbrechen Freundschaften, weil Vertrauen und Aufrichtigkeit fehlen. Und was bleibt am Ende? Da fährst Du am Ende mit Deinen 52 Jahren mit Deinem Fahrrad von der Arbeit nach Hause, so wie Du es wahrscheinlich seit Jahr und Tag gemacht hast. Steigst ab und fällst nichtsahnend um und bist auf der Stelle tot. Wenn Du Glück hast, geht es so schnell, dass keine Zeit mehr ist, damit Dein Leben nicht mehr an Dir vorüberziehen ziehen kann und Du in den letzten hundertstel Sekunden Deines Lebens nichts zu bereuen hast, kein nicht gesagtes „ich liebe dich“ oder „ich liebe dich nicht (mehr)“ oder „lass uns reden“ oder oder oder… dass Du Deine Chance verpasst hast auf ein anderes Sein. Es gibt Tage wie diese, an denen einem wieder Bewusst wird, dass es nur ein Leben gibt, dass wir uns selbst versauen oder einigermaßen schön machen können.

Und flüstern würde auch gehen.

That’s it!

Ein ums andere Mal verstehe ich Euch nicht. Immer diese Wissen-schaft über ich-weiß-was-Du-willst-oder-denkst. Warum lassen wir unser Bauchgefühl nicht die Herrschaft übernehmen? Warum müssen wir zerdenken und interpretieren, wo nichts ist? Bewahren wir uns doch einfach vor Enttäuschungen. Denn wenn das Bauchgefühl nicht kompatibel ist, ist man sowieso nicht füreinander bestimmt. Und was soll dann schließlich der ganze Zinober noch?

Freisein.

Was ist es, dass Altbauwohnungen Altbauwohnungen sein lässt? In meiner Kindheit dachte ich immer, dass der Duft, der durch das Wohnzimmer der großelterlichen Altbauwohnung strömte, von den reifen Äpfeln herrührte, die in einer Obstschale auf dem riesigen ovalen Esstisch standen. Nein, das war kein alter-Menschen-Geruch. Er hatte etwas von Äpfeln. Und Sonnenwärme. Nun, da ich selbst in einer aus-Altem-mach-neuen Wohnung lebe, weiß ich, dass der Duft nicht von Äpfeln stammen konnte: denn manches Mal da duftet es in meinem Wohnzimmer wie damals bei Oma und Opa, obwohl nirgends ein Apfel zu sehen ist. Ich freue mich, denn das bringt sie doch nach fast einem viertel Jahrhundert immer wieder ein Stückchen zu mir, wo auch immer sie sein mögen.

Wie kann man etwas beenden, wenn es in der Wirklichkeit nicht existierte? Wer schreibt vor, ab wann aus Liebesgefühlen eine Liebesbeziehung wird und bis wohin nicht? Warum müssen Zustände, Beziehungen, Gefühle mit Worten definiert werden? Wozu müssen wir uns solche Grenzen setzen, wenn wir freier sein könnten? Würden wir mehr Toleranz walten lassen, würden wir alle zufriedener sein? Ein Beispiel: Unlängst polarisierte der Artikel in der EMMA über das Erziehungsmodell der Franzosen. Auf Facebook entzündete sich eine Diskussion, die Mütter ihre kontroversen Meinungen kundtun ließ. Die Diskussionsteilnehmerinnen bewerteten zu dem die Standpunkte der anderen (ab). Getroffene Hunde bellen! Anstatt gegenseitig Toleranz zu üben, verteidigten sich einige ihrer Meinung wegen. Emanzipierte Frauen sollten sich nicht ihrer Meinung wegen schämen oder verteidigen müssen – egal ob am heimischen Herd oder im klassischen Berufsfeld. Jede/r setzt seine Prioritäten.

Ich schade mir nicht, wenn ich glücklich bin, wissend, dass es DEN Moment gibt und ich ihn genieße, auch wenn der Moment und das Gesamtspektakel nicht zusammen passen. Die funktionierenden Momente zu genießen, anstatt die gescheiterten zu betrauern. Manche Grenzen werden eben durch Gefühle und nicht durch definierende Worte gesetzt. Diese auflösen zu können, bedeutet für mich Freiheit und Selbstbestimmung.

Amen.