Freisein.

Was ist es, dass Altbauwohnungen Altbauwohnungen sein lässt? In meiner Kindheit dachte ich immer, dass der Duft, der durch das Wohnzimmer der großelterlichen Altbauwohnung strömte, von den reifen Äpfeln herrührte, die in einer Obstschale auf dem riesigen ovalen Esstisch standen. Nein, das war kein alter-Menschen-Geruch. Er hatte etwas von Äpfeln. Und Sonnenwärme. Nun, da ich selbst in einer aus-Altem-mach-neuen Wohnung lebe, weiß ich, dass der Duft nicht von Äpfeln stammen konnte: denn manches Mal da duftet es in meinem Wohnzimmer wie damals bei Oma und Opa, obwohl nirgends ein Apfel zu sehen ist. Ich freue mich, denn das bringt sie doch nach fast einem viertel Jahrhundert immer wieder ein Stückchen zu mir, wo auch immer sie sein mögen.

Wie kann man etwas beenden, wenn es in der Wirklichkeit nicht existierte? Wer schreibt vor, ab wann aus Liebesgefühlen eine Liebesbeziehung wird und bis wohin nicht? Warum müssen Zustände, Beziehungen, Gefühle mit Worten definiert werden? Wozu müssen wir uns solche Grenzen setzen, wenn wir freier sein könnten? Würden wir mehr Toleranz walten lassen, würden wir alle zufriedener sein? Ein Beispiel: Unlängst polarisierte der Artikel in der EMMA über das Erziehungsmodell der Franzosen. Auf Facebook entzündete sich eine Diskussion, die Mütter ihre kontroversen Meinungen kundtun ließ. Die Diskussionsteilnehmerinnen bewerteten zu dem die Standpunkte der anderen (ab). Getroffene Hunde bellen! Anstatt gegenseitig Toleranz zu üben, verteidigten sich einige ihrer Meinung wegen. Emanzipierte Frauen sollten sich nicht ihrer Meinung wegen schämen oder verteidigen müssen – egal ob am heimischen Herd oder im klassischen Berufsfeld. Jede/r setzt seine Prioritäten.

Ich schade mir nicht, wenn ich glücklich bin, wissend, dass es DEN Moment gibt und ich ihn genieße, auch wenn der Moment und das Gesamtspektakel nicht zusammen passen. Die funktionierenden Momente zu genießen, anstatt die gescheiterten zu betrauern. Manche Grenzen werden eben durch Gefühle und nicht durch definierende Worte gesetzt. Diese auflösen zu können, bedeutet für mich Freiheit und Selbstbestimmung.

Amen.

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2 Gedanken zu “Freisein.

  1. Zja das wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. Oder à la ghost – nachricht von sam… ? uuuuh… 😀

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